Es gibt auch noch andere Probleme...

...und die zu genüge...der Freund von dem ich bertichtet hab, der in Israel lebt, hat mir noch einen Text zu kommen lassen. Ich denke, da bekommt man mal den Alltag der momentan nicht so zu nennen ist, aus israelischer Sicht mit ...

Viele Grüße aus Shavei Zion in Nordisrael, was, Du wirst es sicher mitbekommen haben, inzwischen im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit steht. Der bewaffnete Konflikt ( oder der Krieg ) mit dem Libanon bzw. der von ihm unterstützten oder zumindest geduldeten Hisbollah-Miliz dauert inzwischen 16 Tage, und wir sind seit 15 Tagen dauerhaft im Bunker, wir leben, essen, schlafen, spielen und beten dort. Den ganzen Tag.
Ich hab das Gefühl, die meisten Leute in Deutschland stellen sich unter Bunkern feuchte muffige Löcher unter der Erde vor, in denen es permanent stinkt und von der Decke tropft. Das ist zum Glück nicht so, eigentlich nirgendwo in Israel. Unser Bunker ist ein ganz normaler Raum, nur dass die Wände und die Decke halt besonders stabil sind, die Türen aus dickem Stahl und es eine Filteranlage gibt. Hier in Israel gibt es ( aus offensichtlichen Gründen ) in sehr vielen Häusern Bunker oder Schutzräume, außerdem hat fast jede Stadt und jedes Dorf öffentliche Bunker. Gegenüber von unserem Grundstück ist der Dorfbunker Nr. 8, in dem zur Zeit 3 Familien wohnen .. auf vielleicht 35qm. Da finden auch ab und an kleine Vorstellungen verschiedener Künstler statt, die unentgeltlich im Norden von Bunker zu Bunker touren, um die Leute zu ermutigen. Wir als Haus Beth-El haben einen größeren Bunker, etwa 50qm insgesamt, und sind im Moment 16 Leute. Darunter sind auch 2 jüdische Freunde von uns aus Naharija. Das ist auch eng, aber wir vertragen uns gut. Da so viele Leute für uns beten, ist die Stimmung eigentlich durchweg positiv, was natürlich viel dazu beiträgt, dass man das Eingesperrtsein als nicht allzu lästig empfindet.
Unser Tag sieht in etwa so aus, dass wir kurz vor um 7 aufstehen, dann haben wir jeder ungefähr 10 Minuten, um schnell ins jeweilige Haus zu flitzen, umziehen, waschen, zähneputzen und dann gehts wieder in den Bunker. In jedem Haus sollte dabei aus Sicherheitsgründen nicht mehr als eine Person gleichzeitig sein. Wenn alle mal waren haben wir unsere Morgenandacht, danach wird vom Küchenteam Frühstück gemacht, während die Jungs sich entweder darum kümmern, dass die Hühner Futter kriegen und herausgelassen werden, oder mit der Lady ( unser Hund, keine Ahnung, was das für ne Mischung ist ) Gassi gehen. Wenn wir Raketenbeschuss haben, oder eine Warnung vorliegt, wird aus alledem nichts, das heißt, wir müssen so stinkend, wie wir aufstehen und hungrig ausharren, bis es ruhiger wird. Morgens ist es aber meistens entspannt, Gott sei Dank.
Nach dem Frühstück werden 2 Freiwillige zum Spülen auserkoren ( inzwischen ein beliebter Job, man kommt aus dem Bunker raus ), damit das Geschirr auch wieder sauber wird. Gegen 10 oder 11 Uhr war es die ersten 10 Tage meistens auch so, dass der DorfSheriff eine Entwarnung geben konnte, was bedeutete, dass das Militär für die nächsten Minuten/Stunden nicht mit Beschuss rechnete und deshalb die Bewohner des Dorfes für eine oder zwei Stunden aus dem Bunker entlassen werden konnten, immer mit dem Hinweis, vorsichtig zu sein. In dieser Zeit kehrten wir dann kurz zur "Normalität" zurück, d.h. wir haben den Hof sauber gemacht, die Waschküche hat versucht, soviel wie möglich sauber zu kriegen, die Küche richtet das Mittagessen, der Gärtner muss den Rasen mähen und die von der Technik suchen sich auch irgendeine Arbeit.
Dann gibts Mittagessen im Bunker, um die Mittagszeit wird eigentlich fast jeden Tag irgendwas in Richtung Israel geschossen, deswegen endet da dann auch unsere Entwarnung. Den Nachmittag und Abend verbringen wir im oder vor dem Bunker, abends dann eben noch mal den Hund ausführen, danach schauen wir 2h Fern, wenn die Ereignisse des Tages zusammengefasst werden und von Experten beurteilt und kommentiert werden, und dann wieder ca. 10 Minuten für Duschen und sonstige Hygiene ( die Mädels kriegen mehr Zeit :D ). Um 10 Uhr abends ist dann Gebetsgemeinschaft, um den Tag abzuschließen, danach wird im Hauptraum das Licht ausgemacht, dann verzieht man sich entweder ins Bett, an den PC, zur Nachtwache oder in den Vorraum und redet mit den anderen Schlafunwilligen da. Aber die Kinder brauchen eben früher ihre Ruhe ( ob sie wollen oder nicht ).
Ansonsten .. ja, was gibts zu berichten .. In unser Dorf haben schon einige Raketen eingeschlagen, ich denke etwa 15, die meisten sind aber ins Wasser gefallen, das macht eine Menge Krach, tut aber keinem weh. Ein paar Raketen sind auch aufs Land gefallen, aber immer in unbewohntes Brachland bzw. an den Strand, bei uns im Dorf ist Gott sei Dank noch weder Sach- noch Personenschaden entstanden. In Nahariyya allerdings, der nächsten Stadt, in die wir regelmäßig zum Einkaufen gehen, haben alleine an einem Tag ( 22.07.06 ) über 50 Raketen eingeschlagen, wie durch ein Wunder gabs aber nur wenige Verletzte und keine Toten. Insgesamt sind in der Kleinstadt ( weniger als 50.000 Einwohner ) schon mehr als 320 Raketen gefallen, stellt euch das mal in einer deutschen Kleinstadt vor. Vor ein paar Tagen ist da ein Mann gestorben, als er, nachdem er seine Familie in den Bunker gebracht hat, noch mal rausgegangen ist, um seiner 4-jährigen Tochter Milch zu holen. Nur wenige Meter neben dem Bunker hat er einen Volltreffer erwischt
Ich kann mir das noch gar nicht richtig vorstellen, in Nahariyya haben wir sonst 2mal die Woche Hebräischkurs, da waren wir zum WM-Schauen auf Leinwand am Strand, da gehen wir meistens abends zum was Trinken hin, da fährt der Zug ab .. und dort fallen in 4h mehr als 50 Raketen .. das ist doch Irrsinn.
Aber in all dem Chaos und trotz allem Krieg wissen wir uns in Gottes sicherer Hand geborgen, wir wissen um viele viele Beter, die in Deutschland und auch hier im Gebet hinter uns stehen, wir kriegen jeden Tag einige Anrufe von ehemaligen Gästen oder Freunden, die sich nach uns erkundigen und ihre Hilfe anbieten. Viele laden uns auch für ein paar Tage zu sich in ihre Wohnungen ein, wenn sie in ( noch ) sicheren Teilen von Israel wohnen.

Das alles und Gottes unendliche Gnade ermutigen uns und gibt uns den Willen und auch die Kraft, hier auszuharren, bis alles vorbei ist, und dann endlich unsere Arbeit an den Holocaustüberlebenden wieder aufzunehmen.

By Martin S.

~ mad mad world ~
1.8.06 22:27


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